Ginger Dreads: der Uschi ihre Dreadlocks

rote Dreadlocks

Mein erster RedHead, eh Dreadhead

In Wirklichkeit heißt sie nicht Uschi. Aber wie man hier im Ruhrpott sagen würde „ So´ne Uschi brauchse, nech. Willse wat lernen, kannset nur ana Uschi machn.“ Jeder braucht eine Uschi. Sie ist diejenige, die frohlockend ihr Bein hinhält, wenn du sagst, du könntest dir vorstellen zu tätowieren: „Ich will ´n Nugget*!“ (*diese kleinen, veganen Snack-Schnitzel). Sie bringt dir nachts Pizza, wenn du traurig bist und gröhlt mit dir im Auto alles von kitschigen Disney-Liedern bis hin zu Punk-Rock Songs. Oder aber sie hat viel zu lange bei YouTube oder anderen Social Media Plattformen rumgehangen und findet, dass sie Ginger Dreads braucht.
Warum ich mich wegen der Uschi irgendwie in das Dreaden verliebt habe, was das mit Mandalas gemeinsam hat und warum es Sinn macht, von Profis zu lernen.

„…haben keinen Plan, aber zögern nicht, ihn umzusetzen!“(Jennifer Rostock)

Am Anfang war das Wort, so die Bibel. Die griechischen Philosophen sagen, dass alles aus dem Chaos entstand und ich persönlich glaube ja, dass die recht haben. Zumindest, wenn ich mir so Uschi und mich anschaue. Es dauert immer nicht wirklich lange, bis wir einen Plan, den das Chaos gebar, umsetzen. So auch ihre Ginger Dreads. Die einzigen Dreadlocks, die ich jemals im Alleingang gemacht habe, waren meine eigenen. Drei Tage lang. Auf dem Hinterkopf blind und nach Gefühl. Sowas nennt man Badass-Dreaden oder „gar nicht mal so klug“. Aber dazu später mehr.
Zurück zu Uschi und ihren Ginger Dreads. Uschi hat sich auch schon selber tätowiert. Wenn sie sich den Stichkanal eines Piercings dehnen will, knallt sie einfach das nächst größte dadurch, kippt ein Bier, rülpst und schaut „Hey Arnold“. Eine ganze Frau also. Als sie mich fragte, ob ich ihr im Nacken ein paar sogenannte „peekaboo“-Dreads (partial Dreads) machen könnte (die heißen wohl wirklich so…ich habe es erst auch nicht geglaubt. Ich dachte, sie heißen einfach „Dreadlocks im Nacken“. Naja, man lernt nie aus), war ich mir daher sicher, dass es ein ziemlich cooler Nachmittag werden würde.
Und so war es auch. Es gab jede Menge Snacks und Humus, Videos von der DreadFactory (warum man beispielsweise keine Hundehaare für Dreads benutzen sollte und ob Dreadlocks schimmeln), Musik und umgeben von Hunden wurden die ersten Dreads an Uschis roter Mähne geboren. Vielmehr: ich habe sie erschaffen. Das war ziemlich gut. Es ist eine sehr meditative Arbeit, wobei ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, und befriedigend, so ein schönes Ergebnis zu sehen. Dread für Dread entstand quasi etwas ganz neues. Eine Uschi 2.0. Das beste war allerdings, wie sehr sie sich gefreut hat. Die Gute ist echt schon durch viel Sch…Schlamassel in ihrem Leben gegangen, da macht es einfach Freude, sie strahlen zu sehen. Wenn jemand die ersten Dreadlocks in die eigenen Finger nimmt und wenigstens mal kurz dran rumfummelt – das ist schon ein tolles Gefühl. Jemandem einen kleinen oder großen Traum erfüllen zu können, indem man sich einfach etwas Zeit nimmt und dabei entspannt quatscht, Pläne zur Übernahme der Weltmacht schmiedet oder einfach überlegt, ob man nicht in einem Zelt wohnen könnte.
Normaler Weise bin ich ein Mensch, der zum Beispiel basteln liebt, aber nicht kann, weil ich einfach nicht die nötige Geduld habe. Deswegen werden es eher kubistische Gebilde als das schnieke Fenster-Naturstoffe-Mobile. Aber bei Dreadlocks ist es anders. Da friemle ich gern nochmal den gesamten Dread entlang, um nochmal nachzuhäkeln.

Mandalas und Dreadlocks – die Muße der Vergänglichkeit

Man kennt die Bilder von tibetischen Mönchen, die in ihrer roten Robe auf dem Boden knien und mit gefärbtem Sand umfangreiche Mandalas auf dem Untergrund entstehen lassen. Sie singen dabei und rezitieren Mantras, anschließend segnen sie das Mandala. Danach wird das fertige Mandala wieder zusammengefegt, in ein Gefäß gefüllt und anschließend in einem fließenden Gewässer oder im Wind ausgekippt. Das ganze Ritual soll dabei die Vergänglichkeit des Seins symbolisieren. Gleichzeitig veranschaulichen die Mönche das Nicht-Anhaften. Obwohl sie oft tage- oder wochenlang an einem dieser Werke gearbeitet haben, lassen sie es los und teilen durch das Ausschütten über fließendem Gewässer die Segnen, der es zuteil wurde.
Mit Uschis Dreads war es ähnlich – nur eben ohne Sand und Segen. Vielmehr musste sie unbedingt ausprobieren, wie die Haare aussehen, wenn sie einzelne Dreadlocks wieder aufkämmt. Auch hier wieder: gesagt getan und wenige Tage später „beichtete“ sie mir ihre Tat. Ich bin zwar kein Mönch, aber das Prinzip des Loslassen habe ich dennoch verstanden: man erschafft etwas schönes, woran sich Menschen erfreuen und dann lässt man es wieder los. Es ist schließlich auch nicht mein Kopf, nur weil ich ein paar Dreadlocks erstellt habe. Aber irgendwie hat diese Arbeit dennoch etwas spirituelles für mich.

Filz geleckt

Das klingt als Überschrift strange. Aber “Blut geleckt” war in diesem Fall nur bei mir passend. Denn nur 3 Monate nach der ersten Erstellung der Dreads von Uschi sollten es mehr werden. Viel mehr. Der ganze Kopf. Lucky me waren Uschis Haare nur gefühlte acht Meter lang, da ging das ganze ja fix… nicht. Wir haben uns an drei Tagen getroffen und ich darf ein wenig stolz behaupten: ich habe von Bine höchst persönlich einen auf den Sack bekommen. Ich fand die ersten Dreadlocks auf Uschis Kopf schon sehr gut, aber eben nicht wirklich fest und die Einteilung der Dreads war leider ein stumpfes Kästchenmuster (siehe das obere Bild). Bine hat mich also die Längen nochmal nachhäkeln lassen, das Wabenmuster gelehrt und in die hohe Kunst des Back-Combing eingeführt. Mein linker Daumen hat dabei etwas häufig einen mit der Häkelnadel abbekommen und ist heute entsprechend lädiert – also blutig. Trotzdem: so ein schön fester Dread ist schon ziemlich sexy!

Sei kein „Mat-Head“!

Uschi und ich nennen Menschen, die eine einzige Filzmatte auf dem Kopf haben „Mat-Head“, in Fachkreisen auch “Monodread” genannt. Das ist nicht bewertend gemeint, jeder sollte doch das auf dem Kopf tragen dürfen, was er oder sie möchte. Sollte es aber so sein, dass man lieber kein Mat-Head sein möchte, muss man ein paar Dinge beachten.
Alles fängt an bei der Einteilung von Dreadlocks. Was es da nicht alles für Muster gibt! Tatsache ist, dass professionelle Dreadersteller*innen Skills haben, die meinen Filz-Fähigkeiten weit voraus sind. Die können zum Beispiel Wabenmuster in der Einteilung von Dreadlocks machen. Die haben den Vorteil, dass die Ansätze nicht so schnell zusammenwachsen. Ich habe eine griechische Chaos Einteilung, was bedeutet, dass ich immer aufpassen muss, dass mir kein Vogelnest auf dem Kopf wächst.
Ein weitere Vorteil, wenn man zu einem Profi geht, um sich dort Dreadlocks machen zu lassen, ist, dass die Junior-Dreads direkt viel besser verfilzt sind. Sie bringen quasi einen Start-Up-Filz mit.
Ich als Laie kann auch nur ein paar Tipps geben, die ich im Laufe der Zeit selbst gelernt habe, um die Dreadlocks optimal verfilzen zu lassen, aber ein Profi hat da einfach mehr Erfahrung. Besonders wenn es dann auch noch um Unterschiedliche Kopfhaut-Typen geht. Oder wenn Ponys offen gelassen werden sollen. Oder oder oder.
Die Dreadlocks auf meinem Kopf haben sich im Laufe der Jahre super entwickelt. Vielleicht war das aber auch mehr Glück als Können. Man kann sich schließlich auch selbst piercen. Bei manchen geht es gut, aber bei 99,99999% eben nicht. Und dann wird es richtig mies.

Fazit: ich bin ein Naturtalent und Glückskind. Ich kann mir durchaus vorstellen, irgendwann mal Profi-Dreaderin zu werden, weil ich es echt schön finde. Bis dahin muss die Uschi herhalten.

 

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