Der einzige Vorsatz, den du brauchst: Minimalismus

Das Jahr ist in wenigen Stunden rum und seit Weihnachten hinter uns liegt, dreht sich natürlich alles um Silvester. Für die einen bedeutet es gar nichts, außer sehr viel Sekt und Berliner (oder auch „Pfannkuchen“ oder „Krapfen“ genannt). Für andere hingegen ist es eigentlich der wichtigste Tag im Jahr: der Jahreswechsel ist die Chance, etwas Neues anzufangen. „New year, new me“. Neben unzähligen Ritualen gibt es vor allem die lange Liste mit guten Vorsätzen, die das neue Jahr besser machen sollen als das alte. Die guten Vorsätze reichen von der Fitness über die Ernährung bis hin zu emotionalen Angelegenheiten. Und wenn wir ehrlich sind, sind es meistens die gleichen Vorsätze, jedes Jahr.

Ich könnte dir nun eine Motivationsliste schreiben „Wie du deine Vorsätze von 2005 endlich umsetzt“ oder „In 10 Schritten zum besseren Ich“. Aber ich möchte auf etwas ganz anderes hinaus. Und das hat sogar etwas mit Dreadlocks zu tun.

Gute Vorsätze: I´m a looser, Baby

Wenn ich an all die guten Vorsätze denke, die ich in den letzten Jahren gefasst und feierlich gebrochen habe, fühle ich mich wie ein Looser. Ganz ehrlich: gute Vorsätze sind doch irgendwie dazu da, dass wir uns schlecht fühlen, oder? „Ich werde gesünder essen“. Bäm. Direkt am 2. Januar haben wir aber leider nichts zu essen im Haus und gehen zum Imbiss. „Ich mache mehr Sport“. Zack, der 3. Januar und eine Erkältung zwingt uns nieder. „Ich höre mehr auf mich“….bei mir höre ich oft genug „Kein Anschluss unter dieser Nummer“. Unter Druck kann ich nicht hören. Jedenfalls nicht auf mich.

Vorsätze stressen mich. Und vermitteln mir, dass ich im Vorjahr echt irgendwas verzockt habe. Ich habe es nicht richtig gemacht. Warum machen wir das immer wieder? Ein Tag im Jahr rotzen wir eigentlich 364 Tage, die gefüllt waren mit Erfolgen, Misserfolgen, Lachen, Weinen, Erstaunen, Schock, Wut, unerwarteten Erlebnissen und vielem mehr, einfach dahin. 

Keine Frage, ich würde behaupten, dass du, der oder die das hier grad liest, grad nur pfeifen kann und echt ein turbulentes Jahr hinter dir hast. High five! Die meisten haben ein aufwühlendes Jahr erlebt und die ganzen Vorsätze sollen vor allem eines: das nächste Jahr irgendwie entspannter machen.

Minimalistisch ins neue Jahr

Minimalismus bedeutet zunächst „ein einfaches Leben“. Schlicht, ohne Gedönskes. Bevor du jetzt den Schneeschieber holst und alles aus deiner Wohnung karrst: es geht mir nicht darum, dass du in einer leeren Wohnung sitzen sollst. 

Bei einem „einfachen Leben“ reduzieren wir das Chaos um uns herum. Und der beste Moment ist vielleicht dann, wenn wir eine lange Liste mit Vorsätzen verfassen. Denn beim Minimalismus geht es um Wertschätzung.

Wenn ich mir meinen Küchenschrank anschaue, habe ich ungefähr 70% von dem, was da so rumfliegt, entweder noch nie oder schon Jahre nicht mehr benutzt. Dabei sind darunter wirkliche Schätze verborgen – wie eine Salatschleuder! Die würde ich sehr viel mehr schätzen, wenn ich sie nicht aus dem Sammelsurium von Tupperdosen ohne passenden Deckel hervorkramen müsste.

Und ähnlich ist es im Badezimmer, im Schlafzimmer, in der Facebook-Freundesliste. Raus, mit allem, was die Sicht versperrt. Materiell wie emotional. 

Gute Vorsätze sind wie der Düsenantrieb des Selbstoptimierungswahns. „Woah New-Me geht joggen und isst nur Salat und trinkt keinen Alkohol und isst keine Schokolade und wird ganz erfolgreich und alle lieben New-Me und ….“ – wir tappen in die gleiche Falle, der wir ständig begegnen: Wenn du dieses und jenes noch kaufst, dann wirst du fitter oder gesünder oder beliebter; auf jeden Fall irgendwie glücklicher. Konsum kompensiert unser Bedürfnis nach Zufriedenheit. Und unsere guten Vorsätze sollen und noch schneller dahin bringen. Das witzige ist, dass wir angeblich bestimmtes Equipment brauchen, um unsere Vorsätze zu erreichen. Sei es ein super-duper Pulver, Super-Food, Super-Laufhose, Super-wieauchimmer. Sie helfen uns angeblich, unsere guten Vorsätze umzusetzen.

Wie viele von diesen „Gute Vorsätze“-Tools hast du in deinem Schrank rumfliegen? 

Gute Vorsätze, schlechte Vorsätze

Manchmal glaube ich, dass gute Vorsätze nur dazu da sind, uns wieder von dem wesentlichen abzulenken. Wen interessiert es denn, ob du gern Humus aus der Packung lutschst? Gönn´ es dir. Anstatt dich zu stressen, nutze die frei gewordene Energie für das, was wirklich zählt. Probiere verschiedene Sorten Humus? Oder lade zum großen Humus-Essen ein? 

Lass gute Vorsätze nicht zu negativen Self-Talk werden und überlege: welche wirklichen Bedürfnisse stecken dahinter? Psychologisch gesehen haben wir, neben unseren lebenserhaltenden Bedürfnissen nach Schlaf, Nahrung und Flüssigkeit, solche, die seelischer Natur sind und nicht weniger wichtig. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Anerkennung, Liebe, Zuneigung, Selbstausdruck, Sinn. 

Wenn wir also unsere Vorsätze so gestalten, dass sie die seelischen Bedürfnisse tatsächlich im Fokus behalten, wäre das doch vielleicht ein Anfang. Oder der erste Vorsatz: meine seelischen Bedürfnisse definieren.

Minimalismus und Dreadlocks

Was haben jetzt aber Dreadlocks damit zu tun? Und wieso Minimalismus? Frau Binias, werfen Sie da etwa Ende des Jahres ein bisschen viel in einen Topf?

Also, Dreadlocks sind für mich die minimalistischste Frisur schlechthin. Rein praktisch gesehen kannst du gar nicht so viel überflüssiges Zeug für deine Dreadlocks haben. Man wäschst sie ab und zu, aber irgendwelche Gels, Sprays, Kuren oder sonstiger Schnickschnack macht sie nur speckig und sind kontraproduktiv. Je minimalistischer man Dreadlocks behandelt, desto besser filzen sie.

Ähnlich ist es auch in unserem Leben: wir wünschen uns mehr Ruhe, aber kreieren ein solches Chaos, dass uns selber schwindelig wird. Wir wünschen uns schöne Dreads, aber greifen ständig zur Häkelnadel, überlegen, ob dieses oder jenes besser ist, damit die Dreadlocks schneller filzen. Das Ding bei Dreads ist nur: sie brauchen Zeit. Atme jetzt einfach mal tief aus. Und lass das wirken

Und jetzt stell dir vor, du bräuchtest keine Vorsätze haben. Du müsstest weder deine Dreadlocks noch dich optimieren. Das wirkt irgendwie entspannend, oder?

Das Ding mit der Entscheidung

Das einzige, wozu ich rate, sind Entscheidungen. Auch das unter dem Aspekt des Minimalismus. Wir kaufen meistens zu viel, weil wir uns nicht entscheiden können. Wir haben ein emotionales Chaos, weil wir uns nicht entscheiden können. Aber nichts raubt uns so viel Energie, wie nicht gefallene Entscheidungen. Sie kleben an uns, wie Dreadwachs an den Fingern und verhindern den natürlichen Prozess (falls es nicht aufgefallen sein sollte: das war nochmal ein Hinweis, dass man keinen Dreadwachs benutzen soll!).

Entscheidungen fallen uns schwer, weil wir Angst haben, etwas falsch zu machen. Wir möchten nichts verlieren und loslassen schonmal gar nicht. Und manche Entscheidungen regeln sich irgendwann von allein. Ob wir dann aber mit dem Ergebnis zufrieden sind, ist die andere Frage.

Wenn wir uns Dreadlocks machen, müssen wir uns entscheiden: keine Einteilung? Klare Einteilung? Wilder Look? Ordentlich? Und natürlich sind wir beeinflusst von den ganzen Möglichkeiten. Aber ist diese Entscheidung getroffen, verfolgen wir das Prinzip erstmal. 

Wenn wir also mal annehmen, wir haben unseren ersten Vorsatz, unsere seelischen Bedürfnisse zu definieren, umgesetzt, heißt es im zweiten Vorsatz: Entscheidungen treffen

Natürlich müssen wir schwerwiegende Entscheidungen gut abwiegen. Aber sind sie dann einmal getroffen, kann man seine Energie wieder neu einsetzen. 

Und was soll ich nun auf meine Liste setzen?

Ich weiß nicht, was deine Bedürfnisse sind, deine Pläne, Wünsche, Träume, aber ich kann dir einen Auszug aus meiner Liste geben, die auf relativ einfachen Bedürfnissen basieren, nämlich: ein liebevolles, lebendiges, bewegendes Leben zu führen, das etwas verändert, einen Impact hat.

Meine guten Vorsätze 2019:

Die Schönheit der Welt entdecken, dankbar sein, laut und dreckig lachen, so laut weinen, wie es mir passt, Wasser trinken, auf meine Ziele fokussieren, präsent sein im Augenblick, wahrnehmen, lieben, tanzen, Ängste überwinden, hinsehen, geduldig sein, aktiv sein, Bäume pflanzen. Minimalistischer leben.

Ach ja: mehr vegane Pizza essen. Definitiv. Ich bin einfach zu faul, sie selber zu backen. Wenn du mich also einladen möchtest auf einen Schnack und eine vegane Pizza, schreib mir eine Nachricht! judith@dreadfactory.de