Streuobst, abgelaufene Lebensmittel und Menstruations-Panties – wenn das Team sich trifft

Wie passen diese Dinge zusammen? Streuobst? Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum ├╝berschritten wurde? Menstruationspanties? Letzten Samstag war es endlich so weit: das erste Team-Treffen der DreadFactory stand endlich vor der T├╝r und damit auch der erste Schwung von DreadstylistInnen. Ein gro├čer Haufen Flausch und Liebe fand sich zusammen, um sich auszutauschen, zu schnacken, zu brunchen und gesellig zu sein. Da es erst das erste von drei Treffen war, m├Âchte ich noch nicht allzu viel vorweg nehmen, aber einen kleinen Einblick soll es dennoch geben.

Dread-Wissen und Leidenschaft

Es war mein erstes Mal. Und es tat gar nicht weh. Ich meine, mein erstes Mal bei einem DreadFactory-Treffen. Seit Juni 2018 bin ich dabei und war super gespannt, endlich die ganzen Leute kennenzulernen. Mit den meisten hatte ich schon E-Mail-Kontakt oder telefoniert, aber da alle Dreadstylist*Innen in ganz Deutschland und ├╝ber die Grenzen hinaus bis Wien verteilt sind, bekam ich eher selten die Gelegenheit, die Dreadheads mal kennenzulernen. Und was soll ich sagen? Ich glaube, ich wurde selten innerhalb der ersten 15 Minuten so viel geknuddelt und geherzt. “Wir sind eine riesige Familie.”, wurde mir geantwortet, als ich sagte, dass ich etwas aufgeregt sei. Und genau diesen Eindruck von einer gro├čen Flausch-Familie best├Ątigte sich schnell. Ehe ich mich versah, wurde gefachsimpelt, wie man die H├Ąkelnadel noch besser halten kann, welche Techniken sich bei bestimmten L├Ąngen von Ans├Ątzen anbieten und wie wichtig jedem die Atmosph├Ąre ist, in der man dreaded. Hier kam eine Leidenschaft f├╝r Dreadlocks zusammen, die mich wirklich umgehauen hat. Viele der Teammitglieder dreaden als Nebenjob neben dem Studium oder einem anderen Beruf. Manche sind Hauptberufler*Innen und verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Und doch gibt es keinen Unterschied, wenn es darum geht, wie ernst sie die Sache nehmen. “Wir d├╝rfen Tr├Ąume erf├╝llen, lernen unfassbar viele unterschiedliche Menschen kennen und haben wundervolle Gespr├Ąche. Love it.”, h├Âre ich immer wieder in verschiedenen Variationen. Dabei wird immer wieder klar, dass dreaden kein reines Handwerk ist, sondern auch Kunst. Verzierungen, Frisuren, die Individualit├Ąt der Haarstruktur und damit auch der Dreadlocks, all das sind Dinge, mit denen sich die Teammitglieder jeden Tag besch├Ąftigen und auch wenn es mal stressig wird oder die Arme und H├Ąnde weh tun: ich steh total auf den Vibe, den sie alle dennoch ausstrahlen. Diese Leidenschaft f├╝r Dreadlocks und das Know-How, das dahinter steht.

Die Verantwortung f├╝rs Ganze

Aber es ging nicht nur ums Dreaden. Ich war extrem happy, ganz wundervolle Partner*Innen f├╝r das Treffen gefunden zu haben: zum einen ist da SIRPLUS(LINK). Die Dudes und Dudetten haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensmittel zu retten, die sonst in der M├╝lltonne gelandet w├Ąren. Entweder, weil das Haltbarkeitsdatum bereits abgelaufen ist oder kurz vor dem Verfall steht, wenn Produkte ├╝berproduziert wurden oder Gem├╝se und Gem├╝se nicht mehr so h├╝bsch ist, dass es “regul├Ąr” verkauft werden k├Ânnte. Es geht dabei um die Wertsch├Ątzung von Lebensmitteln und das Bewusstsein, wie viel M├╝ll und Verpackung wir sparen k├Ânnten, wenn wir verantwortungsvoller einkaufen w├╝rden. Die Lebensmittel bei Sirplus sind stark reduziert, so dass man auch noch ordentlich sparen kann. Als ich privat meine erste Retterbox bestellt habe (Sirplus hat einen mega Online-Shop) und sie nach drei Tagen ankam, bin ich f├Ârmlich ausgerastet. Die Lebensmittel werden vorher von einer Lebensmitteltechnikerin getestet, so dass man wirklich sorgenfrei alles essen und trinken kann, was man bei Sirplus kauft. Also hatte ich einen gro├čen Karton voll mit M├╝sli, Popcorn, veganen Snacks, Apfelsaft und vielem mehr bestellt und war schon ziemlich selig, mit meinem Einkauf direkt etwas gutes getan zu haben. Deswegen hab ich mich gefreut, dass Sirplus Lebensmittel f├╝r unseren Brunch gesponsert hat. Ein weiterer toller Partner war und ist Ostmost (LINK). Ostmost stellt S├Ąfte, Schorlen und Cider her, deren Zutaten nicht nur biologischer Herkunft sind, sondern auch noch von Streuobstwiesen stammen. Warum das so sexy ist? Konventionelle Obsts├Ąfte werden aus Monokulturen hergestellt. Plantagen haben daf├╝r gesorgt, dass Streuobstwiesen, die aufw├Ąndiger und daher weniger rentabel sind, abgeholzt wurden. Damit sind viele Biotope und die “Regenw├Ąlder Deutschlands” stark reduziert worden. Streuobstwiesen hingegen sind Lebensr├Ąume von ├╝ber 5.000 Pflanzen- und Tierarten. Hei├čt: mit jedem Schluck Ostmost rettet man ein kleines St├╝ck Diversit├Ąt. Wir bekamen gen├╝gend Flaschen f├╝r das gesamte Team, so dass nicht nur alle gut hydriert blieben, sondern auch ein St├╝ck “Regenwald” im Event-Space war. Last but not least: Kora Mikino (LINK) mit ihren Menstruations-Panties. Zugegeben, wir sind nicht alle den ganzen Tag in den Panties rumgelaufen. Aber dennoch finde ich das Projekt so fabelhaft, dass ich es kurz vorstellen m├Âchte: Kora hat Panties entwickelt, die menstruierende Menschen bis zu 12 Stunden w├Ąhrend der Periode tragen k├Ânnen und vollst├Ąndig andere Menstruationsprodukte ersetzen. Das ist nicht nur extrem nachhaltig , wenn man bedenkt, dass beispielsweise Tampons kiloweise M├╝ll hinterlassen, von der Herstellung, ├╝ber die Verwendung bis hin zur Entsorgung, sondern auch viel vertr├Ąglicher f├╝r Personen mit Menstruationshintergrund. Nachhaltigkeit, ├Âkologisches Bewusstsein und Innovation sind Dinge, mit denen sich jedes Teammitglied identifizieren kann. Und in einer Zeit, in der sich kaum jemand das Privileg, keine Meinung zu haben, leisten kann, m├Âchten wir mit unseren Partnerschaften ein klares Zeichen setzen und uns positionieren. Ohne dabei politisch zu werden. Aber Werte sind uns wichtig. Deswegen Sirplus, Ostmost und KoraMikino! Ich freue mich schon enorm auf die n├Ąchsten Treffen!