Dreadlocks Inspirationen – und das Wunder der Einzigartigkeit

Bevor man sich Dreadlocks machen lassen m√∂chte, sucht man meistens nach Inspirationen. Wie k√∂nnte es aussehen, wenn der Pony bei Dreadlocks offen bleibt? Wie, wenn man einen Side-Cut oder Under-Cut hat? Wie sehen d√ľnne Dreads aus und wie dicke? Ich verliere mich regelm√§√üig in Inspirationen und Ideen und ertappe mich dann doch bei einem gef√§hrlichen Gedankenspiel: dem Vergleich. Mir ist das Thema “K√∂rperbilder” enorm wichtig, besonders seit ich selbst viel auf Instagram und Pinterest poste. Deswegen soll es heute um den schmalen Grat von Vergleich, Nachmachen und Inspirationen gehen.

Kitty, kitty, copy cat

Seit √ľber sechs Jahren habe ich jetzt Dreadlocks mit Side-Cuts. Und immer wieder versumpfe ich vor dem Handy und scrolle durch Galerien. Ich √ľberlege, wie ich wohl mit einem Pony aussehen w√ľrde. Oder wie, wenn ich meine Dreads k√ľrzen w√ľrde. Es ist besonders vor der gro√üen Entscheidung, wie die eigenen Dreadlocks angelegt werden sollen, hilfreich, sich Zeit zu nehmen und verschiedene Dreadheads zu vergleichen. Eine tolle M√∂glichkeit ist Pinterest. Seit Dezember hegen wir auch ein DreadFactory Pinterest Profil (LINK), um m√∂glichst viele Variationen und M√∂glichkeiten zu zeigen. Neben den eigenen Boards findest du auch Sammlungen mit Dreadlocks aus der ganzen Welt. Ich glaube, mittlerweile sollte von nahezu jeder Variation mindestens ein Bild zu finden sein. Und doch ist jedes Bild einzigartig.

Dreadlocks sind ein Naturprodukt. Jedes Haar ist anders, wie ein Fingerabdruck, nur auf deinem Kopf. Das bedeutet, dass auch alle Dreads individuelle sind. Kein Dreadhead gleicht dem anderen und wie sehr wir auch gern eine bestimmte Art von Dreadlocks hätten Рdie/der Dreadstylist*in kann lediglich die Basis geben. Wie sich die Dreads entwickeln, hängt eben von der Pflege und der eigenen Haarstruktur ab.

Dennoch ist man immer wieder versucht, sich zu vergleichen und droht, es jemandem nachzumachen. Witzig ist dabei, dass dabei etwas ganz anderes eine Rolle spielt: der Wunsch, nach dem Lifestyle, den das Foto zeigt, zu erfahren und wir bringen eben diesen Lifestyle mit den Dreadlocks in Verbringung. Was auch bis zu einem gewissen Grad richtig ist. Mit Dreadlocks ändert sich dein Leben. Und doch: wenn wir den Style von jemandem nachmachen, sind wir eine Copy Cat.

Zugehörigkeit, Anpassung und das hässliche Entlein

Ein gro√üer Faktor bei diesem Bed√ľrfnis ist der Wunsch nach Zugeh√∂rigkeit. Wir Menschen sind genetisch dazu bestimmt, sozial zu sein. Wir sind Herdentiere. Wie die Bonobos (Bono-wer? Lies HIER weiter). Und wir m√∂chten eben einer Herde angeh√∂ren. Leider ist es aber bei vielen Menschen so, dass die Herde eventuell nicht die richtige ist. Wer in der Schule mal das Gef√ľhl hatte, ein Alien zu sein, hebe bitte die Hand. Ich hebe sie und schreibe grad einh√§ndig (true Story). Oder auch in der eigenen Familie. Wir lieben sie und sie lieben uns – im besten Falle – und dennoch ist man der einzige Mensch in der Truppe, der nicht √ľber die Witze lacht, w√§hrend alle anderen unterm Tisch liegen und br√ľllen, gerade so, als h√§tte man nicht verstanden, was die Pointe war.

Du kennst sicherlich das M√§rchen von dem h√§ssliche Entlein. Nach dem Schl√ľpfen schien es irgendwie anders zu sein als die anderen K√ľken. Gr√∂√üer, sperriger und auch das Quaken war anders. Es dauerte nicht lange, da wurde das h√§ssliche Entlein aus dem Nest gesto√üen und versuchte es bei vielen anderen Tieren. Beim Bauern wurde es fast geschlachtet. Es brauchte allen Mut, Tapferkeit, Durchhalteverm√∂gen und Hoffnung, um weiter auf die Suche nach dem eigene Schwarm zu gehen und siehe da: das Entlein war ein Schwan, ein wundersch√∂ner dazu, und fand schlie√ülich den eigenen Schwarm. (Dabei soll es nicht um die Exklusion der Andersartigkeit gehen. Du wei√üt, was ich meine)

Deine Herde, Schwarm, deine Leute, zu denen du geh√∂rst, k√∂nnten einfach noch irgendwo auf dich warten, wenn du das Gef√ľhl hast, irgendwie fehl am Platz zu sein.

Es ist besser, sich auf die Suche zu machen – und zwar auf die Suche nach sich selbst. Denn wie sollte man wissen, wohin man geh√∂rt, wenn man nicht wei√ü, wer man ist? Und hier sind wir am empfindlichsten. Wenn wir ganz wir selbst sind, uns authentisch zeigen, unsere Bed√ľrfnisse mutig formulieren und zu ihnen stehen, dann sind wir auf dem Weg, unsere Zugeh√∂rigkeit zu finden, anstatt uns anzupassen. Bren√© Brown, Forscherin und Autorin beschreibt dieses Ph√§nomen sehr pr√§zise in ihren B√ľchern √ľber Verletzlichkeit und Scham. Denn ist es nicht h√§ufig die Scham, die uns zur√ľck h√§lt, uns ganz ehrlich zu zeigen?

Aber was haben wir davon, wenn wir uns anpassen? Ich pers√∂nlich finde, dass dann ein unertr√§glicher Druck im inneren entsteht. Denn nach wie vor haben wir dann nicht “unsere Herde” gefunden. Unseren Tribe. Im schlimmsten Fall leben wir nach den Werten und Idealen von anderen.

Dreadfrisuren Inspirationen

Dreadlocks: Individualität zum Anfassen

Dreadlocks sind schon ziemliche Rebellen. Damit meine ich ihren tiefsten Charakter. Manchmal k√∂nnte ich sie an die Wand klatschen, wenn sie einfach nicht so wollen, wie ich. Dann steht da der typische Verd√§chtige st√§ndig ab und der Knubbel w√§chst weiter, die Fusseln stehen ab, no matter what (da gibt’s HIER sogar einen ganzen Artikel dr√ľber) und an anderen Tagen, den meisten Tagen, liebe ich sie genau daf√ľr. Und tats√§chlich ging meine Suche nach mir selbst in die richtige Richtung, als ich endlich Dreadlocks hatte. Und das weniger, weil ich dann den “Dreadheads” angeh√∂rte, sondern weil der Mensch, der mir da aus dem Spiegel entgegen sah, mehr aussah wie ich. Viele berichten davon, dass sie ihre Dreads vermissen, wenn sie sie abschneiden. Andere gehen durch diesen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt.

Inspirationen sind toll. Ich liebe es, mich mit inspirierenden Menschen zu umgeben. Ich liebe es, neues auszuprobieren, aus manchem herauszuwachsen und neue Dinge in mein Leben oder auf meinen Kopf zu lassen. Und ich liebe Dreadlocks Inspirationen.

Tapp nicht in die Falle

Der Sommer ist bereits da und viele viele Menschen haben vor Wochen angefangen, ihren K√∂rper “startklar” zu machen. Ready f√ľr die Bikini-Figur. Work-Outs, Di√§ten oder was sonst so auf dem Markt ist. Denn schlie√ülich wird das irgendwie von einem gefordert. Schlank, glatte Beine, Achseln, Brust. Das Idealbild. Social Media Kan√§le wie Instagram und Pinterest machen die Situation nicht besser. Wieder ist der Vergleich das gro√üe Thema, denn unterbewusst assoziieren wir das k√∂rperliche Idealbild mit erfolgreich sein – im Beruf, beim Flirten, im Alltag. Und ja: ich bin mir der Verantwortung bewusst, wenn ich irgendwo irgendwelche Bilder poste. Ich wei√ü, dass es Menschen dazu verleiten kann, die eigenen Bed√ľrfnisse nach Zugeh√∂rigkeit und “Erfolg”, sprich Akzeptanz, fehlzuinterpretieren. Vielleicht ist es mein eigener Hintergrund, der mich daf√ľr sensibilisiert hat. Tats√§chlich hatte ich viele Jahre arge Probleme mit meinem K√∂rper. Ich hungerte ihn sogar runter, obwohl ich gar nicht auf irgendein Ma√ü fixiert war. Aber ich stelle die gewagte These auf: es geht bei Essst√∂rungen nicht ums Essen. Es geht nicht ums Abnehmen. Es geht darum, die eigenen Bed√ľrfnisse zu unterdr√ľcken, durch welche Art einer Essst√∂rung auch immer. Das Ausma√ü muss nicht immer dramatisch, also gef√§hrlich sein und doch m√∂chte ich nat√ľrlich die Gelegenheit nutzen, dir zu sagen: du bist genug. Du bist wunderbar. Und du bist sexy.

Wenn du genauere dar√ľber lesen m√∂chtest, gibt es mein Buch “Eat me, Kali” im Buchhandel und nat√ľrlich online HIER. Das ist weniger Werbung als meine Art, dir mein authentisches Ich zu zeigen. Ich mein, wenn es schon darum geht, verletzbar zu sein und dich zu ermutigen, zu dir zu stehen, ob mit oder ohne Dreadlocks, dann muss ich schlie√ülich mit gutem Beispiel voran gehen.

Ach ja, und mein Tipp f√ľr die “Bikini-” oder “Badehosen”-Figur? FKK.