Sobald man Dreadlocks auf dem Kopf hat und vermutlich auch schon davor, stellt sich einem die Frage: wie pflege ich Dreads? Was muss ich beachten? Kann man Dreads waschen? Und wie filzen sie nach? Häufig erreichen mich eben diese Nachrichten, deswegen möchte ich heute ausführlich auf das Thema Dreadlocks pflegen eingehen – aber etwas anders, als du denkst.

Die Basics über Dreadlocks

First things first: was macht Dreads eigentlich zu Dreads? Im Unterschied zu Braids oder anderen Arten von Zöpfen, handelt es sich bei Dreadlocks um einen natürlichen Vorgang des Filzens, der lediglich durch eine_n Dreadstylist_in auf den Weg gebracht und ggf. noch begleitet wird. Bei Dreadlocks geht es darum, den Haaren einen Anfangsfilz mitzugeben und dann der Zeit und der besagten Pflege den Rest zu überlassen. Beim Filzen verhaken sich die Haarschuppen ineinander, so dass ein Dread entsteht (kurze philosophische Frage: der Dread, die Dreadlocke, die Dread? Was benutzt du?). Filz entsteht dann, wenn eine möglichst fettfreie Beschaffenheit gegeben ist. Damit kommen wir zur Frage Nummer 1: Kann man Dreads waschen? Antwort: ja. Bitte ja. Und ja, man sollte Dreads sogar waschen, da sie sonst zu fettig werden, um zu filzen. “Wie oft muss ich meine Dreads waschen?”, fragst du dich jetzt sicherlich und “Womit wasche ich Dreads?”. Auch diese Fragen werde ich später beantworten.

Kommen wir zum zweiten Punkt: die Ansätze. Damit Dreadlocks nicht einfach herauswachsen, benötigen die Ansätze eine regelmäßige Pflege, da die Haare natürlich ungefilzt nachwachsen. Denn wie bereits erklärt: Filz entsteht, indem die Haarschuppen ineinander verhakt und die Haare damit verknotet und verknüpft werden. Damit das auch weiterhin passiert, sind ein paar Handgriffe nötig.

Punkt Nummer 3: die Längen. Wer seine Dreads schon etwas länger hat wird festgestellt habe: sie entwickelt sich. Das liegt zum einen an den äußeren Einflüssen wie duschen, waschen, schwimmen, Regen, Sonne, Wind, Sturm, wilder Sex, Haare raufen, Mützen auf- und absetzen, Helm tragen, Kopfstand üben, Fallschirmspringen, neben einer Fritteuse arbeiten und was man eben sonst noch so macht. Es lösen sich Fusselhaare, Knubbel und Schlaufen bilden sich und das ein oder andere verfängt sich in den Dreadlocks und müsste wohl mal entfernt werden. Aber auch der Filzprozess an sich schreitet stetig voran, so dass Dreadlocks beispielsweise gefühlt Ewigkeiten nicht wachsen, da sie sich tatsächlich zusammenziehen, und dann plötzlich einen Schub machen wie im kleinen Horrorladen und bumsfallera sieht man aus wie eine Mischung aus Rapunzel und Medusa. Es ist wirklich faszinierend, wie Dreadlocks sich entwickeln. Und auch die eigene Einstellung dazu! Wenn du dir heute Dreadlocks machen lassen möchtest, sind es vielleicht andere Beweggründe, als die, die du in ein paar Jahren hättest. Du startest deine Dreadlocks-Reise vielleicht aus modischen Gründen und entwickelst dann eine persönliche Beziehung zu einem alternativen Lebensstil. Vielleicht hast du aber aus politischen Gründen mit dem Dreaden begonnen und nach zehn Jahren haben sich durchaus modische Aspekte für dich entwickelt. Du veränderst sie vielleicht, indem du die Dreads kürzt, färbst, den gesamten Kopf anders gestaltest. Dreadlocks müssen keine passive Angelegenheit sein, sondern können in ihrer Entwicklung beeinflusst werden. Wodurch? Durch die Pflege!

Dreadlocks individuell pflegen

Ja wie, wie denn bloß?! Wie pflegt und hegt man diese Kopfwurzeln? Diese Filzlocken? Diese Antennen und Staubmagneten?

Jetzt kommt leider eine kurze Enttäuschung, die aber vor allem ein Empowerment ist: es gibt keine Regeln. Bäm. Ich weiß, dass die meiste von uns gerne eine Baupause hätten. Einen Fahrplan. Beispielsweise “Dreadlocks muss man einmal in der Woche waschen, alle zwei Monate nachhäkeln und einmal im Jahr eine Tiefenreinigung machen.”. So funktioniert das nur leider nicht. Denn: jeder Kopf ist anders. Deine Kopfhaut unterscheidet sich von allen anderen, deine Haarstruktur ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Deine Lebensweise ist so einzigartig, dass die Entwicklung deiner Dreadlocks nicht vorausgesagt werden kann. Aber was du tun kannst ist, dich zunächst zu entscheiden: möchtest du gern wilde Dreads oder sehr ordentliche? Dementsprechend kannst du schonmal deinen Rhythmus des Häkelns anpassen. Denn niemand sagt, dass du jedes Fusselhaar einarbeiten musst. Du kannst, wie ich, irgendwann einfach drauf verzichten (Lese HIER weiter) oder deine Dreadlocks selber pflegen (lese HIER weiter). Du kannst sie färben (HIER) oder was auch immer dir beliebt damit anstellen.

Wie oft zu deine Dreads waschen musst, hängt vor allem von deinem Wohlgefühl ab. Wie gesagt: fettige Haare filzen nicht so gut. Aber das ist lediglich eine Information und keine Handlungsaufforderung. Du entscheidest selbst, wie oft und intensiv deine Dreads gepflegt werden. Was unsere Teammitglieder (HIER) aber tun können, ist dich begleiten. Sie haben schon viele viele Dreadlocks erstellt und gepflegt, verlängert und sogar auch geöffnet, so dass sie mit ihrem Wissen mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

Aber die wichtigste Frage, die du dir stellen solltest ist: was brauche ich? Und das meine ich nicht nur auf Dreadlocks bezogen. Wir sind so zugeballert mit Werbung, die uns erzählt, was wir angeblich alles brauchen. Holy Moly. Ich bin schonmal ganz froh, dass ich mir mit Dreadlocks keine Gedanken darüber machen muss, welche Haarkur ich verwenden muss. Und zum Thema Shampoo lautet die Faustregel: ohne Silikone.

Wenn du das alles mal beiseite lässt, all die “musst haves”, besonders zur Weihnachtszeit (was man alles kaufen muss, wo man überall sein muss, wen man alles treffen muss….viel “muss”…), mal vergisst: was brauchst du wirklich? Das kann man durchaus von den Dreads aufs Leben und zurück übertragen: wie oft brauchst du welche Pflege? Wie ist deine Struktur? Neigst du dazu, zu fetten (hehe…du weißt, was ich meine, metaphorisch!)? Oder hast du dich vielleicht schon zerhäkelt, so dass du etwas bröselig wirst und alles, was du brauchst, ist Ruhe?