Vorurteile und Schubladendenken

Das Thema Vorurteile und Schubladendenken ist aktueller denn je und ich glaube es gibt nirgends mehr Vorurteile, als bei dem Thema Aussehen.

Das Schubladendenken ist ein riesengroßer Teil unseres Alltags. Es wird oft beim ersten Blick geurteilt, obwohl man mit diesem Menschen noch nie gesprochen hat, geschweige denn ihn besser kennt.

Am Wochenende habe ich euch als Community auf Instagram gefragt, mit welchen Vorurteilen ihr schon konfrontiert wurdet. Die Antworten haben mich wirklich zum Teil sprachlos gemacht! Gerne möchte ich euch deshalb alle an diesen teilhaben lassen.

Vorurteile gegenĂŒber Dreadlocks

  • „Tiere in den Haaren“
  • „… dass man Dreads nicht waschen kann“
  • „Es schimmelt angeblich innen…“
  • „Der Kulturraub Vorwurf, Kiffer, Dreads stinken“
  • „Dreadlocks = Kiffen“
  • „Dass man auch „untenrum“ Dreads hat“
  • „Ich wĂŒrde Drogen verkaufen“
  • „das geht doch nie wieder raus!“
  • „Dreads sind unhygienisch“
  • „Ist kein Vorurteil, aber ich höre öfter: warum hast du das gemacht, sieht doch gar nicht schön aus“
  • „Dreads = Nicht Haare waschen, wtf, warum glauben Menschen sowas?!“
  • „Ich hĂ€tte Flöhe und LĂ€use“
  • „Die kann man doch garnicht richtig waschen“
  • „Dass ich jetzt auch weniger oft dusche“
  • „Das kiffen jetzt mein neuer Lifestyle ist“
  • „Dass ich jetzt keinen seriösen Job mehr machen kann“
  • „LĂ€use und Kiffen (so als Nichtraucher echt ein Lacher wert)“
  • „Dreadlocks = Hippie = ungeimpfter Coronaleugner“
  • „Dass sie unprofessionell wirken und sogar ein Kundigungsgrund sein können… ES SIND HAARE!“
  • „Dass man arm / obdachlos aussieht… weil die sind alles andere als billig“
  • „Deads sind weniger Arbeit, so nach dem Motto, da muss man ja garnix tun, bei mir ist das viel mehr Arbeit!“
  • „Ich wurde gefragt, ob ich meine Haare jetzt nie wieder wasche“
  • „ob ich sie jedes mal neu aufmachen muss, um sie nachzuhĂ€keln“
  • „Du hast ja dann eine Glatze, wenn du sie nicht mehr haben möchtest“
  • „kannst du die Haare ĂŒberhaupt richtig waschen?“
  • „WĂ€schst du jetzt ĂŒberhaupt noch deine Haare?“
  • „Dreads stinken“
  • „Als weiße verspotte ich die Kultur der dunklen. 1. Kompliment von einem dunklen“
  • „Es wĂŒrden Tierchen auf dem Kopf leben“

Ich habe die Antworten der Instagramcommunity genauso wiedergegeben, wie ich sie zugeschickt bekommen habe. Manchmal konnte ich nur mit dem Kopf schĂŒtteln und manchmal musste ich laut los lachen. Ich mein :“Dass ich jetzt auch weniger oft dusche“ wie kommen Menschen auf so etwas?

Ihr habt super fleißig geantwortet und eure Erfahrungen mit uns geteilt. Ich finde es wirklich traurig, dass so viele Dreadheads mit Vorurteilen, teils wirklich stark, zu kĂ€mpfen haben.

Wie man gut raus lesen kann, sind die hartnĂ€ckigsten Vorurteile gegenĂŒber DreadtrĂ€gernInnen folgende:

  • Dreadlocks kann man nicht waschen
  • Dreadlocks stinken
  • Alle DreadtrĂ€ger nehmen Drogen

Gerne möchte ich hier in diesem Beitrag beleuchten, woher diese Vorurteile kommen.

Gleich zu Anfang zu dem Vorurteil: „Dreadlocks kann man nicht waschen“

Woher dieses kommt, kann ich nicht genau sagen, ich glaube aber, dass es viel damit zu tun hat, dass die meisten Menschen keine Ahnung von Dreadlocks haben. Man beschÀftigt sich mit dem Thema Dreadlocks nicht, wenn man nicht selbst daran interessiert ist. Da diese Frisur eine sehr spezielle ist und sie nur von wirklich wenigen Menschen getragen wird, haben genauso wenige Menschen eine Vorstellung von der Pflege.

KlÀre gerne jeden auf, der dieses Vorurteil hat. Dreadlocks werden genau so wie offene Haare gewaschen, nur das trocknen dauert einfach lÀnger. Oft finden die Leute das Thema dann doch super interessant, wenn man versucht ihnen dieses nÀher zu bringen.

Vorurteil „Dreadlocks stinken“

Dieses Vorurteil hĂ€ngt sehr eng mit dem vorherigen zusammen. Dreads sollen angeblich stinken, da sie ja auch nicht gewaschen werden können. NatĂŒrlich stimmt dies nicht. Die Locs fangen nicht an zu stinken, wenn man sie richtig pflegt und regelmĂ€ĂŸig wĂ€scht. Ich habe auch schon erlebt, dass fremde Menschen an meinen Haare riechen wollten um sicher zu gehen, dass ich nicht lĂŒge, wenn ich sage Dreadlocks stinken nicht. Oft ist die Dreistheit der Menschen nicht zu ĂŒbertreffen.

Und das letzte der hĂ€ufigsten Vorurteile: „Alle DreadtrĂ€gerInnen nehmen Drogen“

Dreadlocks werden oft mit der Rastafari Glaubensrichtung in Verbindung gebracht. In dieser ist der Konsum von Cannabis stark verbreitet. Auch in den 70iger Jahren im „Hippiezeitalter“ waren Dreadlocks weit verbreitet und auch der Konsum von Cannabis. Dieses Bild ist einfach bis heute geblieben und nicht mehr aus den Köpfen der Menschheit weg zu bekommen. Außerdem ist es tatsĂ€chlich so, dass viele DreadlockstrĂ€ger Drogen nehmen. Dennoch sollte man dies nicht auf alle projizieren. Aber so ist das nun mal leider mit dem Schubladendenken.

Diese Vorurteile verbreiten sich weiterhin, obwohl die Akzeptanz von Dreadlocks sich in den letzten Jahren schon deutlich gebessert hat.

Trotzdem ist es vielleicht auch genau deshalb wichtig, weiterhin die Menschen aufzuklÀren und zu versuchen das schlechte Bild der Dreadlocks zu einem besseren zu wenden.

Wusstest du zum Beispiel, dass in Schweden die Ministerin fĂŒr Kultur und Demokratie Dreadlocks trĂ€gt? Ich bin mir sicher, wenn andere europĂ€ische LĂ€nder ein solch gutes Bild von Dreadlocks haben, schaffen wir das hier in Deutschland/Österreich/Schweiz auch irgendwann.

Gerne könnt ihr natĂŒrlich auch die DreadMag-BeitrĂ€ge als Lehrmaterial empfehlen. Passende EintrĂ€ge wĂ€ren hier:

Also dann mal los und lasst uns die Menschheit aufklÀren!